Wissenschaftliche Qualitätstandards im Zeitalter von Copy and Paste: achten oder missachten?

So viel Text wie heute ist noch nie produziert worden. Das Internet ist voll von Textbausteinen. Für jeden Anlass, für jede Frage ist etwas dabei. So lassen sich z.B. nicht nur Forderungen zur Minderung von  Schienenlärm nach dem bequemen Copy and Paste Prinzip auf die Schnelle gut begründen, auch wissenschaftliche Arbeiten und Studien kommen bei Anwendung von Copy und Paste schneller zu irgend einem Ziel. In verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen werden in der Regel auch Ergebnisse akzeptiert, die überwiegend aus Copy and Paste Inhalten bestehen, sofern bestimmte Standards berücksichtigt sind.

Der breiten Öffentlichkeit sind die Einhaltung von wissenschaftlichen Standards egal. Die demoskopischen Umfragen der letzten Tage erweckten geradezu den Anschein, als ließe sich eine Volksabstimmung über die Beurteilung von wissenschaftlichen Standards durchführen, die der derzeitige Verteidigungsminister in seiner Doktorarbeit verletzt hatte.

Dass auch die Regierung die Einhaltung wissenschaftlicher Standards ebenfalls zu vernachlässigen scheint, ist verheerend. Wenn wissenschaftliche Qualitätsmerkmale so offensichtlich demontiert werden, stellt sich die Frage: Wie gehen wir dann mit wissenschaftlichen Studien zum Schienenlärm um, die z. B. vom Umweltbundesamt in Auftrag gegeben wurden? Das Prinzip des Copy and Paste ist auch in diesen Studien zu finden. Deren Verfahren, einmal vor 30 Jahren eingeführt , werden unkritisch und meist undiskutiert noch heute wiederholt  eingesetzt, was zu immer gleichen Ergebnissen führt. Qualitätstandards werden  dabei - aus Mangel an Verständnis - von den Auftraggebern ebenfalls vernachlässigt.

Ein Beispiel für ein solches Verfahren ist die epidemiologische Untersuchung “Beeinträchtigung durch Fluglärm. Arzneimittelverbrauch als Indikator für gesundheitliche Beeinträchtigung“, Prof. E. Greiser, Dezember 2006
Der Berechtigung der Anwendung des - in dieser Untersuchung gewählten Verfahrens - sind enge Grenzen gesetzt. Eine Überschreitung der Grenzen führt zu falschen Ergebnissen und das Ergebnis ist somit nicht verwendbar. Auch wenn  Auftraggebern die Problematik epidemiologischer Untersuchungen bekannt ist, werden Studien vergeben, die diese Verfahren verwenden.

Wem dient eine Untersuchung zum Schienenlärm - nach  Verfahren der o.g. Studie,  wenn deren Ergebnis nicht zu verwenden ist?

Der Hund, der Eier legt - Erkennen von Fehlinformationen durch Querdenken,    Hans Peter Beck-Bornhold, Hans Hermann Dubben, 2001,  ISBN 3 499 61154 6

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8 Responses to “Wissenschaftliche Qualitätstandards im Zeitalter von Copy and Paste: achten oder missachten?”

  1. christian Says:

    “Die Prinzen” haben sich vom Thema “alles nur geklaut” beim “Copy Paste Song” inspirieren lassen: http://www.youtube.com/watch?v=qH4nPMUt7EU

  2. Michael Stelter Says:

    copy and paste - jeder macht es, ohne noch darüber nachzudenken, ob es korrekt, legal und gesetzeskonform ist. Ganz fatal wird es, wenn nicht darüber nachgedacht wird, ob das Thema verstanden wird oder nicht.
    Es ist doch normal, daß ich meinen Sachverstand permanent aktualisieren muß und das kommt mir nicht entgegengeflogen, sondern ich muß mich bemühen und es erarbeiten. In jedem Fall, wenn ich politische Verantwortung trage, also sicherstellen muß, daß die Menschen im Lande entsprechend des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland behandelt und gefördert werden.
    Die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland ist eine Katastrophe und wird noch große Auswirkungen, auch auf unsere Wirtschaft haben, wenn sich nichts ändert. Nur, Schienenplanungen ohne, oder sogar gegen die Menschen werden sich nicht mehr durchsetzen lassen. Mal sehen, wann es der letzte
    Politiker in Berlin gemerkt hat.
    Michael Stelter Freiburg

  3. BI Bahnlärm im Mittelrheintal Says:

    Die Aktion unserer Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn wird nun auch von der Stadt Geisenheim unterstützt. Immer dann, wenn ein Zug besonders laut war und/oder heftige Erschütterungen ausgelöst hat, sollte ein Eintrag gemacht werden. Auch weitere Probleme (zum Beispiel Flugrost oder Schmutz) können geschildert werden. Die Listen können auf der Homepage der Stadt Geisenheim unter www.geisenheim.de herunter geladen werden.

  4. anonym Says:

    Nicht nur die Scheinheiligkeit treibt unsere Politiker, die nichtssagenden „Versprecher“ jetzt vermehrt in die Nähe der DB-Schienen sondern auch die pure Sucht nach dem Wähler. Den Wahlkalender kennen solche Ignoranten besser als die Schreibweise BAHNLÄRM. Begriffen haben diese Politiker nur Ihren Umgang mit Eigeninteressen, möglichst lange gesicherte Schreibtische und warme Sessel zu haben.

    Weder im Land, noch beim Bund ist man ernsthaft bemüht, sich unserer Bahnlärmproblematik anzunehmen. Eine Gesetzesvorlage zur Lärmreduzierung durch die Bahn gehört offensichtlich bei all unseren “Volksvertretern“, besonders auf Bundesebene, zur nicht lohnenden Zeitverschwendung.

    Die Bahntrasse im Rheintal (Rheingau und Mittelrhein) ist eine so genannte ALTBESTANDSSTRECKE, welche aber nach der bereits laufenden Modernisierung die modernste Strecke in Europa sein wird.

    Die altbackene Gesetzeslage zu diesem Thema ist ja bekannt! Also, hier ein Vergleich: Der altritterliche Speer wurde so modifiziert, dass er durch eingebaute Rückstoßmasse zur Rakete mutierte. Warum ist es der BRD nicht möglich einen derartigen Vergleich anzuerkennen und das Gesetz der Realität anzupassen? Welche Interessenten stecken dahinter? Mutiert die Politik unseres Landes etwa auch zum LOBYISTEN-SERVICE?

    So dürfen wir doch wohl den Eindruck haben, dass uns weder das Land noch die BRD ernst nehmen und man die Eskalationsgrenze bei den Bürgern ausloten will. Ich kann derartige Verhaltensweisen nicht begreifen. All die Hochgebildeten missachten einfach das Leid derer, welche für alle leiden. Der Begriff Gerechtigkeit gerät somit ins Wanken!

    Wir haben also nur die Möglichkeit, dem Ausloten der Eskalationsgrenze nachzugeben. Ich denke, diesen Gefallen sollten wir diesen Ignoranten schnellstens tun. Aber mit Ausdauer und Interessenorientierung. Es gibt harte und wirksamere Methoden zur Verdeutlichung von eklatanten Missständen zu denen besonders der BAHNLÄRM IM RHEINTAL gehört. Die DB betreibt andauernd, straflos KÖRPERBESCHÄDIGUNG an den Bürgern und dies nicht nur im Rheintal. Wir verfügen über einen ausgezeichneten und fachlich qualifizierten Informationsstand. Wir wissen was wir wollen. Wir glauben an Änderungsmöglichkeiten.

  5. christian Says:

    Der Ideenklau ist doch überall, nicht nur bei Studien zum Thema Schienenlärm. Durch die Möglichkeiten von “copy and paste” sinken einfach die Hemmschwellen (auch bei wissenschaftlichen Studien) zu kopieren. Die technischen Möglichkeiten haben die Voraussetzung dafür geschaffen.

    Heute wird oftmals erst kopiert und dann abgewartet, ob jemand protestiert. Es ist längst an der Zeit einmal zu hinterfragen, bis zu welchem Punkt es jemandem frei steht, eine Idee zu übernehmen, und ab wann es ein Diebstahl ist? Wo soll die Freiheit des Kopierens enden? Bis heute gibt es keine Web-Ethik. und es existiert kein Konsens über ein Mindestmaß an Regeln.

    Das ist auch eine Folge des Wertewandels in der Gesellschaft. Der
    Individualismus wird groß geschrieben, es herrschen Egoismus und ein Mangel an Gemeinschaftsgefühl. Die Ellenbogenmentalität lässt sich allerorts spüren.

    In der Gesellschaft fehlt ein Unrechtsbewusstsein für geistigen Diebstahl und es ist zu bezweifeln, ob die Gesetzgeber überhaupt ausreichende Lösungen formulieren könnten, wenn es um Immaterielles wie Ideen geht.

    Einerseits fürchten wir den Missbrauch von Daten oder den Diebstahl von Ideen. Auf der anderen Seite freuen wir uns, wenn etwa Staatsgeheimnisse über WikiLeaks verraten werden oder Menschen in Nordafrika eine Revolution via Facebook lostreten?

    Deshalb ist es unerlässlich, dass jedes Individuum selbst über eine Ethik oder ein Gewissen verfügt und eine eigene Einstellung dazu hat.

    Gute Ideen wurden übrigens immer imitiert und repliziert, das zeigen die Evolutionstheorien. Aber Bestand hatte nur, was gesellschaftlich akzeptiert und von vielen für gut befunden wurde. Dies sollten auch die Herausgeber von Studien zum Thema Schienenlärm beherzigen und bei ihrem “copy and paste” überprüfen, inwieweit die verwendeten Inhalte (und somit ihre finalen Studienergebnisse) zukunftsweisend sind (und nicht nur dem Auftraggeber zur Durchsetzung seiner Ziele dienen).

  6. Lokführer Says:

    In Auftrag gegeben und bezahlt werden wissenschaftliche Studien vermutlich selten dafür, dass sie die eigenen Ziele des Auftraggebers infrage stellen: Im Gegenteil “wes Brot ich ess, des Lied ich sing” ist oft das oberste Prinzip. Auch wenn Studienergebnisse im Nachhinein nicht als Leitplanken für politische Entscheidungen zu verwenden sind, kann das gegebenenfalls vom Auftraggeber der Studie erwünscht sein. Und vielleicht wird bei manchen Schienenlärm-Studien bewusst mit dem “Copy and Paste Prinzip” gearbeitet, um gebetsmühlenartig stets die bewährten, gewünscht gleichen Aussagen, nur in einem anderen Gewand von einer in die nächste Studie transportieren zu können? Allerlei ist im Voraus zu hinterfragen und zu bedenken, wenn man nicht möchte, dass die eigene Studie später in der Schublade verschwindet, wie es jüngst mit der sogenannten “Leitstudie zu Erneuerbaren Energien” im Bundesumweltministerium geschehen ist.

    Unbequeme Inhalte führen leicht dazu, dass eine deshalb unliebsame Studie unter Verschluss bleibt - was wahrscheinlich auch bei einer nachweislich pessimistischeren Einschätzung der Gesundheitsgefährdung für Bahnanlieger durch Schienenlärm (hauptsächlich durch Gütertransport verursachten) als die Regierung der Fall sein könnte.

    Jede Studie zu diesem Thema konterkariert andere ehrgeizige umweltpolitische Ziele der Bundesregierung. Für sie stellt ständig weiter wachsender Gütertransport eine enorme Herausforderung dar. Mit 23 % der CO2 Emissionen in Europa ist der Verkehr einer der größten Verursacher von Treibhausgasen und die Bundesregierung steht damit vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels in besonderer Verantwortung, und unter einem großen Öffentlichkeitsdruck, die Treibhausgas-Emissionen (THG-) erheblich zu senken.
    Da das Güteraufkommen den Prognosen nach in den nächsten Jahren noch weiter steigt, ist es zwingend erforderlich, Wachstum und CO2 Emissionen im Verkehrssektor zu entkoppeln und die umweltverträglichste Transportlösung zu nutzen. Gemeinhin galt bisher, dass im Güterverkehr die Bahn immer besser abschneidet als der LKW, somit der Straße vorzuziehen und Schienenlärm zu ignorieren ist.

    Eine differenzierte Betrachtung des Themas Schienenlärm wird nüchtern betrachtet auf Staatsebene solange bewusst nicht stattfinden, wie es nicht fokussiert und gewünscht ist, dass auch andere Verkehrsträger eine ökologische Alternative zur Bahn darstellen könnten. Deshalb bleiben nicht nur (verwendbare) Studien zum Thema Schienenlärm, sondern zum Beispiel auch die Optimierungserfolge der letzten Jahre des Verkehrsträgers LKW immer weiter unberücksichtigt.

  7. Jim Knopf Says:

    Sind viele Studien sowieso nichts anderes als bestellte Wahrheiten von Auftraggebern, die sich gerne diskret und seriös geben, mit der Aura nüchterner Argumente und überprüfbarer Fakten schmücken?
    Der Handel mit diesen sogenannten »Exclusiv- Studien« floriert doch, das System wechselseitiger Abhängigkeiten funktioniert.
    Lobbyisten, Berater, Abgeordnete, Ministerialbürokratie, Minister und Medienvertreter sind in einem geschlossenen “copy and paste” Informations- und Beratungskreislauf integriert. Sie alle nutzen offensiv und routiniert die in Studien angebotene »fachliche« und politische »Expertise «. Themen und Positionen werden in Form der sogenannten »orchestrierten Kommunikation « (oder “copy and paste”) damit in der Öffentlichkeit verankert.

    Ausgewählte Journalisten und Medien werden mit den »bestellten Wahrheiten« versorgt, in dem sie frisierte (pseudowissenschaftliche) Studien erhalten, oder auch passende Meinungsumfragen, getürkte Statistiken, von PR-Agenturen geschriebene Texte, Interviews und Meinungsbeiträge dazu etc. Das Spektrum dieser Dienstleistungen und Informations- Rohstoffe ist schier unbegrenzt. Dazu gehört auch die Vermittlung von sogenannten »Experten«, die als »Mietmäuler« einsetzbar sind, denn es gilt der Grundsatz: »In die Hand, die mich füttert, beiße ich nicht.«

    Auch haben fragwürdige Praktiken der Finanzierung so mancher Studie über Sponsoring, Spenden, bezahlte Reden (anschließend verbunden mit tatsächlichen oder unterstellten direkten Gegenleistungen) zum weit verbreiteten Eindruck beigetragen, dass Lobbyisten sich längst den Zugang zur Politik auch über »gezielte Landschaftspflege durch Studien « kaufen können.

    Dies alles schadet dem Ansehen von wissenschaftlichen Studien ungemein, weil so sichtbar belegt wird, dass persönliche Interessen offenbar wissenschaftliche Motive überlagern. Auch fördert es das Misstrauen in die Integrität und Unabhängigkeit der Wissenschaft, vor allem letztendlich aber in die Politik.

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