Dient ein Blog lediglich dazu, dummes Zeug zu speichern?
Ist ein Blog nur ein Angebot an diejenigen, die ihrem frustrierten Herzen einmal wieder Luft machen wollen über all die Niederträchtigkeiten dieser Welt - ein Sammelplatz für emotionale Entgleisungen, die - sachlich betrachtet - völlig überflüssig sind, weil die angeprangerten Zustände damit nicht aus der Welt zu schaffen sind?
Die BVS meint,wer dieser Ansicht ist, sieht nicht die Möglichkeiten, die ein Blog als Social Media haben kann.
Eine Plattform zum gegenseitigen Austausch von Meinungen, Eindrücken, Erfahrungen kann soziale Interaktionen ermöglichen, Nutzer können aktiv auf Inhalte Bezug nehmen, Wissen austauschen, vom Rezipienten zum Produzenten werden, durch die sich bildende Netzgemeinschaft, einen Demokratisierungsschub in Gang setzen, mehr Transparenz in den trüben, politischen Alltag bringen.
Google plant, mit Collaboratory - http://www.collaboratory.de/home - eine Plattform zu gestalten, die es Akademikern, sachkundigen Wirtschafts- sowie Bürgervertretern erlaubt, transparent zusammenzuarbeiten und einen Beitrag zu politischen Reformprozessen (z.B. zu aktuellen Verfassungsbeschwerden oder Petitionen, zur Arbeit der Enquête-Kommission „Internet & Digitale Gesellschaft“ des Bundestages und zu tagesaktuellen Diskussionen) zu leisten.
In 2010 wurde ein Expertenkreis einberufen, in dem Akteure aus Wissenschaft, Verbänden, Daten- und Verbraucherschutz sowie aus Internetunternehmen zusammenkamen. Zwei interessante Abschlussberichte liegen vor:
- Offene Staatskunst - bessere Politik durch Open Government
- Innovationskultur in der digitalen Gesellschaft
Vielleicht sehen auch Sie im Blog als Social Media eine weitere Chance, den Kampf gegen den Schienenlärm - mit Nachdruck voranzutreiben? Ihre Meinung interessiert uns.
Wie versorgt man Menschen mit Informationen?
Förderung von Vernetzung ist Loslassen von Machtanspruch
Januar 23rd, 2011 at 18:00
Social Media wie Blogs, Foren, Wikis und so weiter können enorm entlasten, weil ein Großteil der Kommunikations- und damit Koordinationskraft aus der kollektiven Intelligenz heraus entsteht. Da alle etwas beitragen können, steht mehr Wissen zur Verfügung. Doch wie bei fast jeder Einführung einer neuen Technik gibt es auch Widerstände und Vorbehalte. Insbesondere dann, wenn sie die Kommunikation beschleunigt und liberalisiert, sind Machtkämpfe vorprogrammiert. Sie enden erst, wenn sich die alten Hüter des Herrschaftswissens an die neue Transparenz gewöhnt haben. Nach Ansicht vieler Historiker stand der Dreißigjährige Krieg in Europa auch in Zusammenhang mit Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks, weil diese Technik einen Quantensprung in der Wissensverbreitung ausgelöst hat.
Bei der Weiterentwicklung der Kommunikationstechnik von Schrift über Buchdruck, zu Radio und Fernsehen und schließlich bis hin zu den Anfängen des Internets ging es immer darum, dass eine Quelle Informationen in eine Richtung aussendet. Es war letztlich mehr vom Gleichen - immer billiger, schneller, farbiger und realistischer. Durch das Web 2.0 kommt nun die völlig neue Dimension des Interaktiven hinzu - und bringt so einen echten Paradigmenwechsel mit sich. Das ist die eigentliche wahre Sensation. Im Mitmach-Web kann sich jeder genau die Information besorgen, die er braucht. Jeder kann auch in nie da gewesenem Ausmaß Information selbst erstellen, die Informationen von anderen anreichern und vernetzen.
Januar 25th, 2011 at 16:32
Blogs, Social Media, Web 2.0, also so oder so das Internet (ehemals Cyberspace) ist inzwischen ja für so ziemlich alles verantwortlich. Zumindest für alles Schlechte. Klimawandel, Dioxin, Euro-Krise, Erdstrahlen, Entpolitisierung, Wutbürger und Westerwelle.
Wir kennen diesen besitzstandswahrenden Reflex ja mindestens seit dem Beginn des Holozän. Das heißt in etwa “irgendwas völlig neues” und wurde noch vom Pleistozän für so jede Erdenklichkeit verantwortlich gemacht.
Man kann sich natürlich heute nicht mehr so einfach auf eine Eisscholle stellen und alles Neue freudig begrüßen und fordern, man solle sich einfach darauf einlassen und das Neue mitmachen, sonst mache es etwas mit einem. Das war mit dem Beginn der Erderwärmung schon verkehrt (jedenfalls, wenn man auf dabei auf einer Eisscholle stand).
Aber es kommt immer auch darauf an, mal das Gute zu sehen. Und das nicht nur ökonomisch betrachtet, sondern von höherer Warte aus. Die ist heute meistens eine gesellschaftliche. Wir leben schließlich alle in einer säkularisierten Welt. Und weil die seit Candide nicht perfekter geworden ist und weil manch einer ohnehin lieber vor der eigenen Tür und ganz im Kleinen anfangen möchte, gibt es auch so wunderbare Ideen wie zum Beispiel “fixmystreet”. Damit kann man Schaden wie die Straßenlöcher nach dem Winter direkt per Smartphone-Foto an die Verwaltung melden oder ökologischen E-Commerce, über den zum Beispiel Designer ihre Produkte aus Müll nun besser vertreiben können.
Und Überraschung…- aber jetzt einmal Scherz bei Seite und ganz im Ernst: Eine studentische Projektgruppe an der Universität Potsdam unter der Leitung von Prof. Dr. Norbert Gronau vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Electronic Government, hat sich zum Ziel gesetzt, die Information der Fahrgäste über Störungen und Ausfälle der S-Bahn in Berlin zu verbessern indem sie ein Serviceportal (auch eine Art Blog) für (gestrafte) S-Bahnfahrer aufgebaut haben, „ zugausfall.de”. Das neue Feature informiert über Verspätungen und Ausfälle im Berliner S-Bahn-Verkehr:
http://www.zugausfall.de/web/home.php
In den vergangenen Wochen verzeichneten die Studenten 20.000 Besucher! Fahrgäste erhalten unter der Rubrik “Fahrgastleid” die Möglichkeit, ihre Probleme zu schildern. Sie können angeben, wie sich ihre Fahrzeit verlängert und welche Probleme beim Umsteigen auftreten. Die schlimmsten Einträge sollen den Angaben zufolge in der kommenden Woche bei einem Treffen mit dem Verkehrsverbund ausgewertet werden, denn mit den so gewonnen Daten soll in Zukunft einfach und unbürokratisch über mögliche Störungen und Ausfälle informiert und letztendlich nach Problemlösungen gesucht werden.
Man muss nur darauf kommen. “Zugausfall.de” ist genauso simpel wie transparent. Vergleichbares wäre auch möglich und wirkungsvoll für alle Bahnlärmgeschädigten. Denn nur durch erheblichen öffentlichen Druck wird die Bahn ihre derzeitige Egal-Haltung gegenüber dem Leid der Schienenlärmgeschädigten ändern. Solche Dinge machen das Web und Blogs übrigens zu einem besseren Ort und die reale auch ein wenig.
Februar 7th, 2011 at 11:08
Ohne Social Media droht Bedeutungslosigkeit. Netzwerke bergen zwar Gefahren, aber wer aus Angst draußen bleibt, stellt sich mittlerweile selbst ins Abseits. Wer relevant sein will, muss mitreden. Sicher geht man, wenn man in Social Media kommuniziert, auch Risiken ein. Aber Social Media ist längst keine Modeerscheinung - sie sind der zentrale soziale Ort des Internets, von dem aus zukünftig die meisten Interaktionen gesteuert werden. Die Abwesenheit im Web 2.0 kann auch für uns BIs mit einem allgemeinen Bedeutungsverlust verbunden sein. Das Internet steht für Kommunikation, Offenheit und Öffentlichkeit. Wenn wir im Internet lediglich über einer eine statische Homepage zu finden sind, wird sowohl die Useraktivität und auch die Bedeutung derselben für die User sinken. Ebenso werden die Berührungspunkte über Suchmaschinen und Links abnehmen. Über den Blog kann aktuell und direkt kommuniziert werden. Es ermöglicht die Früherkennung von aufkommenden oder potentiellen Problemen und bietet andererseits die Chance zur unmittelbaren Intervention. In kritischen Situationen ist diese Möglichkeit unentbehrlich. Informationen können lassen sich beispielsweise in Blogs wie ein unaufhaltsames Lauffeuer verbreiten. Blogger teilen ihre Wünsche und Bedürfnisse offen mit, was Chancen eröffnet, denn Social Media hat einen bedeutenden Einflussauf die emotionale Bindung - auch an unsere Organisationen.
Februar 10th, 2011 at 21:25
Social Networking wie Wissensaustausch werden zukünftig hauptsächlich in Portalen wie Facebook, MySpace, Twitter, LinkedIn und somit eben auch in Blogs stattfinden.
In den USA ist die Nutzung von Emails bereits stark zurück gegangen und auf dem Weg zum ‘Rentnermedium” - solche bösen Kommentare sind die Reaktion auf den Einbruch in den USA. Besonders junge Leute kommunizieren jetzt lieber in sozialen Netzen und mailen weniger.
Auf die Zukunft gesehen kann aber auch in Deutschland die behäbigere E-Mail den sozialen Netzwerken nicht mehr das Wasser reichen, auch wenn die Situation zurzeit (noch) anders aussieht. http://www.basicthinking.de/blog/2011/02/08/online-nutzung-in-den-usa-facebook-frisst-die-e-mail-auf/
Februar 18th, 2011 at 22:53
Im BVS Blog hat sich doch bereits die alte (Meister Proper) Markenformel bewiesen: Können + Charakter x Kontinuität!
Innerhalb eines Monats ist es gelungen, die Aufmerksamkeit von mehr als 400 täglichen Besuchern auf das Thema Schienenlärm zu lenken. Der Blog hat somit selbstredend medialen Wert gewonnen.
Bloggen gehört heute einfach zum guten Ton. Selbst die träge Masse (”late adopters”) kann nicht mehr nicht weiter außen vorbleiben und wortlos zusehen. Es ist soweit. Die breite Masse bequemt sich nun vor die Tastatur ihres Rechners, um ihre Stimme auch in der virtuellen Welt zu erheben. Die Blogosphäre erlebt ihren zweiten Urknall. In Lichtgeschwindigkeit rauschen mehr Themen, mehr Stimmen, mehr Blogs ins Virtuelle. Liebe BVSler nur weiter so!
Februar 19th, 2011 at 10:09
Wir sind nun im Jahr 17 n.W. (nach Web). Individuelle Webseite, Blog oder Social-Networking, Twitter, Facebook, Xing ist die Frage? Kann ich der (wohl) unvermeidlichen Entwicklung zusehen, oder bin ich “First Mover” und versuche das Beste daraus zu machen? Es ist alles in der Entwicklung, im Flux.
Ich gratuliere der Bundesvereinigung gegen Schienenlärm deshalb zur erfolgreichen „Eisbrecherfunktion“ und bin dankbar für den “roten Faden”, den ihr bemerkenswerter Blog jetzt zum Thema Schienenlärm liefert. Die Informationsflut wird kanalisiert. Man wird hingewiesen auf das, was ein “Auslaufmodell” ist. Aber auch auf das, was man sich unbedingt ansehen sollte. Er zeigt wo die Reise hingeht. Denn Pandoras Box ist offen. Es passiert viel, zumindest unter dem Prinzip Hoffnung. Und es bleibt spannend…
Februar 20th, 2011 at 13:50
Menschen, die von sich meinen, alles im Griff zu haben und für andere stets entscheiden, wohin die Reise geht, müssten bei Nutzung des Angebots von Social Media zwangsläufig loslassen von ihrem Machtanspruch. Gerade Menschen mit ausgeprägtem Machtanspruch lehnen Social Media ab. Soziale Netzwerke sind Lösungssysteme mit hoher Eigendynamik und offenem Ausgang. Nicht zu wissen, wohin die Reise geht, ist u.a. ein wichtiger Grund für Kritiker von sozialen Netzwerken, diese abzulehnen.
Hier ein Link zum Thema:
http://www.youtube.com/watch?v=KtU9-tU0z0M&feature=channel
Februar 20th, 2011 at 21:21
Bloggen steht für nichts anderes, als einfach alles so aufschreiben, was einem gerade so in den Sinn kommt und sich nichts dabei zu denken. Deshalb ist ein Blog auch das Erkennungsmerkmal der „Generation Doof“ –nachzulesen im gleichnamigen Buch.
Also wo kommen wir denn da hin, wenn einfach jeder öffentlich sagen darf, was er denkt - und ohne Meinungsveröffentlichungsbefähigungs-bescheinigung?
Da muss doch erst einmal eine Behörde her, die überprüft, ob die Meinung überhaupt tragbar ist. Ob sie mit der öffentlichen Meinung auch wirklich übereinstimmt und nicht gegen die Richtlinienkompetenz der Kanzlerin verstößt.
Und wo kommen wir denn da hin, wenn die geballte Medienmacht von tausenden, ungeprüften Privatschreiberlingen unterlaufen wird? Das kann ja nur doof sein.
Genauso doof wie für seine Rechte auf die Straße zu gehen. Das ist erst richtig doof, weil zweck- und wirkungslos.
Man könnte das Gleiche mittlerweile von Wahlen sagen. Seit dem Einzug des “Sachzwangs” in die Sphären der Politik sind Politiker ja sowieso nur noch Verwaltungsbeamte und Erfüllungsgehilfen jener ominösen (All)Macht, die nahezu täglich irgendwo beschworen wird.
Ich habe jetzt einiges über die Generation Doof gelernt. Unter anderem, dass ich selbst dazu gehöre.
März 12th, 2011 at 13:54
Nicht nur wir haben zurzeit die Nase von der Bahn voll und fühlen uns von ihr gedisst: Den Umgang mit Social Media muss die Bahn anscheinend generell noch lernen, denn sie verliert Vertrauen in der Netzgemeinde. Typisch Bahn, statt auf die aktuelle Situation einzugehen, und einen Dialog auf Augenhöhe zu führen, nutzt sie nämlich Social Media hauptsächlich zu Werbezwecken, und Gerüchten zufolge löscht sie sogar kritische Kommentare auf der Facebook-Pinnwand. Das ist nun mal leider kontraproduktiv und imageschädigend.
Sie verkennt das Potenzial von Social Media einfach voll, und hat, wie die gesamte Transportbranche, deshalb neuerdings mit einem massiven Vertrauensverlust in der Bevölkerung zu kämpfen. In einer repräsentativen Umfrage befragte TNS Emnid in Kooperation mit dem GPRA-Vertrauensindex 1006 Menschen nach ihrer Meinung zu den wichtigsten Wirtschaftsbereichen. Hatten im September noch 48 Prozent der Befragten Transportwesen und Bahn als glaubwürdig eingeschätzt, waren es Anfang Februar nur noch 39 Prozent. Das berichtet der “Kontakter” in seiner aktuellen Ausgabe (EVT: 28. Februar).
Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall.
März 12th, 2011 at 23:10
Die Bahn hat viel Vertrauen verloren, aber der Jahreszeitenbeauftragte der Bahn ist doch sehr sympathisch:
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/videos/extra2867.html
März 18th, 2011 at 22:17
ch bin in regelmäßig-unregelmäßigen Abständen im Blog. Wenn ich ihn besuche, stelle ich immer wieder fest, dass er es geschafft hat, einen unverkrampften, aufgeschlossenen, anspruchsvollen, manchmal auch unterhaltsamen Dialog zum Schienenlärm zu starten und Gesprächsthemen miteinander zu verknüpfen.
Der Blog ist gut zur Anbahnung oder Pflege von Kontakten, Man kann sich den Ball solange zuwerfen, wie man Freude daran hat und soviel von sich preisgeben wie man mag, oder auch selber Fragen stellen. Ich finde, die Beiträge der Beteiligten sind ausgewogen, niemand muss sich verstellen, eine eigene Meinung ist erlaubt, was den Blog interessant und eben auch authentisch macht.
Und er hilft Frust abzubauen. Denn gerade weil man vermehrt den Eindruck gewonnen hat, dass das endlose Ringen über Schienenlärmschutz und seine Finanzierung zwischen Regierung, Bahn und Betroffenen, nur noch dazu dient , die Dinge weiter in die Länge zu ziehen - oder sterben zu lassen, benötigen wir den Blog - nicht zuletzt auch für eine strategische Neuausrichtung in der Auseinandersetzung.
April 17th, 2011 at 20:20
„Noise Tube“ zeichnet Geräusche auf:
Da die Lärmentwicklung als Umweltbelastung bekanntlich seit Jahren zu nimmt, haben Wissenschaftler des Sony Computer Science Laboratory in Paris das Programm Noise Tube entwickelt, mit dem Smartphone-Besitzer die Geräusche in ihrer Umwelt aufnehmen können und mit Geodaten an den Server von NoiseTube schicken können:
http://www.csl.sony.fr/items/2007/mobile-sensing-project/
http://noisetube.net/
So wird auf Basis von Google Earth eine Geräuschkarte der Welt entstehen. Hier erklärt ein Video wie es funktioniert:
http://www.youtube.com/watch?v=Gza0tyjozGs&feature=player_embedded
Auch die Website erklärt den neuen Dienst:
http://www.newscientist.com/article/mg20427346.900-cellphone-app-to-make-maps-of-noise-pollution.html