Brauchen Betroffene eine neue Schienenlärmbroschüre?
Es ist inzwischen so unendlich viel über Lärm, seine gesundheitlichen Gefahren, über Lärmberechnung und Lärmbewertung, über Rechtsfragen geforscht, diskutiert und geurteilt worden. In unzähligen Zusammenfassungen sind die Ergebnisse von Kongressen, Tagungen, Seminaren, Anhörungen in Broschüren, Kompendien, Artikeln, Gutachten auf unübersehbar vielen Seiten veröffentlicht worden und inzwischen im Internet abrufbar. Die BVS meint: Es ist eigentlich alles gesagt. Was immer noch fehlt ist der politische Wille, endlich die Konsequenzen aus all den vorliegenden Ergebnissen zu ziehen, damit der Verkehrslärm - und hier der Schienenlärm - wesentlich reduziert wird - besonders der ständig zunehmende, nächtliche Güterzuglärm.
Trotz dieser Fülle an zugänglichen Informationen soll nun eine Neuauflage der z.Z. vorliegenden Schienenlärmbroschüre Hinweise zum Schutz gegen Schienenlärm von 2001/2002 für Betroffene herausgegeben werden - unterstützt vom Umweltbundesamt. Die BVS ist der Meinung, dass eine gut gepflegte, aktualisierte Online -Version, völlig ausreichend wäre.
Brauchen Betroffene heute noch die gedruckte Neuauflage einer Schienenlärmbroschüre , in der der Lärm, seine Entstehung, seine Wahrnehmung, Berechnung und Bewertung, in der Rechtsfragen erklärt werden ? Welche Informationen suchen Betroffene und wo suchen Betroffene Antwort auf ihre Fragen? Im Internet, im Regal, bei Behörden, der Bahn oder beim Rechtsanwalt?
Was meinen Sie? Über einen Beitrag würden wir uns freuen.
Schienenlärmbroschüre von 2001/2002
Januar 11th, 2011 at 13:08
Solange “die Bahn auf Verschleiß fährt” - nicht nur im Bereich Lärmschutz- ist für die Lärmgeplagten eine neue Druckauflage der alten Broschüre wahrscheinlich wieder einmal das einzige was passiert. Zwar ist eigentlich alles gesagt, aber der politische Wille fehlte doch bisher, endlich die Konsequenzen aus all den vorliegenden Ergebnissen zu ziehen, damit der Schienenlärm verringert wird - besonders der ständig zunehmende, nächtliche Güterzuglärm.
Das Zitat von Bahnchef Rüdiger Grube “die Bahn fuhr auf Verschleiß”ist nur überliefert, nicht autorisiert. Selbst wenn das Zitat nur erfunden ist, dementiert wird die Aussage bislang nicht. Wozu auch? Die Sache ist leider richtig. Allerdings ist sie etwas komplizierter. Aber jetzt ist es also wenigstens einmal heraus. Bahnchef Rüdiger Grube soll dies gestern den Verkehrsministern der Länder gestanden haben. (Und schimpfte weiter… auch auf die Industrie, die der Bahn z. Bsp. mit den Neigetechnik-Zügen und den aktuellen ICE3 unlängst im Winterchaos eine Serie von Pannen bescherte. Allerdings fragt man sich doch, warum die DB den Nachfolger des inzwischen betagten ICE1 bisher eigentlich nicht bestellt hat?).
Es fehlt offenbar schlichtweg nicht nur an einer ausreichenden Anzahl neuer Fahrzeuge aller Art, vom Güterwagon bis zur neuen S-Bahn-Zug. Vom potenziellen Verschleiß gepeinigt ist primär die Bahntochter DB Mobility & Logistics, zu der wiederum auch die so wichtige Töchter wie der Logistikriese Schenker gehört und nicht zuletzt die Infrastrukturtochter DB Netz, die wohl wichtigste Tochter der DB. Hier fließt doch die Mehrheit der Milliarden-Investitionen hin, die dem Bund nach wie vor dem DB-Konzern zukommen lässt. Doch der Name sagt es: Gefördert werden primär Investitionen. Die Unterhaltung von Strecken ist Sache der Bahn. Und hier wurde dramatisch gespart. Das wird sogar jedem Laien landauf landab schon beim bloßen Anblick eines x-beliebigen Gleisbettes klar. Auf den teilweise 100 Jahre alten Gleisbetten wurde durch Schotter- und Eisflug im Winterschaos die Elektronik an den Wagons zerstört. Wen wundert es? Ganz zu schweigen von einem praktisch nicht vorhandenen effektiven Lärmschutz…
Dies ist aber keine Alleinschuld der Bahn, denn der DB-Konzern steckt in einem klassischen DiIlemma. Er ist gefangen in den Vorgaben des Staates sowohl hochprofitabel als auch zuverlässig und sicher zu fahren. Es ist ziemlich unklar, welches Ziel den Politikern wichtiger ist. Keine Frage: Grubes Vorgänger Hartmut Mehdorn orientiere sich wesentlich an der Rendite, verfolgte den mißglückten Börsengang als wichtiges Ziel. Die Folgen sind sichtbar. Profit oder Leistung? Solange die Ziele der Politik für die Deutsche Bahn nicht klarer definiert sind, fährt die Bahn vermutlich noch weiter auf Verschleiß, auf Kosten des Steuerzahlers und vor allem auch der zahlreichen lärmgeplagten Bahnanlieger. Aber wenn die Politik nicht Willens ist, klarere Kontrollmechanismen und Direktiven zu geben, darf sie sich später - wenn der Druck in der Öffentlichkeit zu groß geworden ist - auch nicht beklagen, wie schlecht es gelaufen ist, wie Janus-Kopf Ramsauer, oder sich gar auf neue Druckauflagen alter Zöpfe konzentrieren.
Januar 11th, 2011 at 19:04
Es ist der politische Wille gefordert, eine Bahn hinzubekommen, die von der Bevölkerung akzeptiert wird. Dazu gehören Kundenfreundlichkeit im Bahnbetrieb in allen Belangen und die Umsetzung des Grundgesetzes bzgl. Gesundheit der Menschen und Erhalt der Umwelt. Bereits Robert Koch, Nobelpreisträger, sagte vor über 100 Jahren “wir werden einmal den LÄRM bekämpfen wie Pest und Cholera”. Informationen gehören ins Internet und nicht aufs Papier, denn das kostet unnötiges Geld und die Informationen erreichen nicht alle Menschen. Die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland ist
eine Katastrophe. Unsere Wirtschaft kann nur funktionieren, wenn wir diese
Notwendigkeiten schnellstens hinbekommen.
Unsere Politiker sollten schnellstens den GAU verhindern.
Januar 12th, 2011 at 11:33
… jaja, die deutsche Verkehrspolitik. Jahrelang hat man vor der Autolobby gekuscht, den Straßenverkehr mit Milliarden ausgebaut und den Schienenverkehr vernachlässigt - die Schweiz steckt im Vergleich zu Deutschland mehr als das fünffache Budget pro Kopf in den Schienenverkehr (auch in Lärmschutzprojekte), selbst Großbritannien mit seinem maroden Bahnnetz noch knapp das dreifache, Spanien knapp das Doppelte - Deutschland ist dagegen bei den Pro-Kopf-Investitionen in den Schienenverkehr mittlerweile sogar hinter Italien zurückgefallen. Jetzt reiben sich die Politiker verwundert die Augen und schieben den Schwarzen Peter der Bahn zu. Selbstkritik ist ihnen fremd - sie fahren mit der Politik eines unterfinanzierten Schienenverkehrs weiter: Über zwei Dutzend Infrastruktur-Bahnprojekte gelten als “vordringlicher Bedarf” - aber das wenige Geld, das da reingesteckt wird, wird dazu führen, dass diese Liste noch in 30 Jahren nicht abgearbeitet ist. Statt u.a. in Lärmschutz steckt man das Geld in unrentable “Leuchtturmprojekte” (wie z. Bsp. die völlig überteuerte Schnellfahrstrecke Nürnberg-Erfurt oder das Milliardengrab “Stuttgart 21″). Kurz: Von dem sowieso schon viel zu knappen Geld für die Schieneninfrastruktur schmeißt man auch noch Milliarden zum Fenster raus, um eine schlechtere Fernverkehrsbedienung (Erfurt-Nürnberg) bzw. neue Engpässe (Stuttgart21) zu schaffen, statt woanders vorhandene zu beseitigen oder alte Schienenwege zu “restaurieren”! DAS ist Verkehrspolitik in Deutschland: Erneuter Druck einer Broschüre zum Thema Schienenlärm, immer schön nach dem Motto “Wasch mir meinen Pelz, aber mach mich nicht nass - Hautsache ich muss nichts in die Praxis umsetzen”….
Januar 12th, 2011 at 23:06
Die Deutsche Bahn kassiert jährlich viele Milliarden vom Steuerzahler, die sie aufgrund völlig ineffizienter Anreizstrukturen vielfach verplempert. Da ist doch eine völlig überflüssige Schienenlärmbroschüre für das Budget des Bundesumweltamts keine wirklich große Nummer mehr, oder? Riskante milliardenschwere Auslandsinvestitionen, Manager wie Mehdorn, die den Konzern fast gegen die Wand gefahren haben aber in Kauf nehmen, dass die gesamte Infrastruktur für den Güterverkehr fehlt, bzw. vergammelt, sowie Milliarden in Stuttgart vergraben - für engagierte Verkehrspolitiker gäbe es hier viel Arbeit….
Januar 14th, 2011 at 12:33
Folgenden Punkte, die von dpa veröffentlicht wurden, sind einmal eine Betrachtung wert:
1. Der Bund stellt der Bahn jährlich einen Betrag von zwischen 1,2 und 1,4 Mrd. EURO für den Neu- und Ausbau von Strecken zur Verfügung.
2. Der Bund stellt der Bahn jährlich eine Summe von ca. 2,5 Mrd. EURO für die Erhaltung der Infrastruktur zur Verfügung.
3. Die Länder und Gemeinden stellen der Bahn jährlich einen Betrag von ca. 0,3 Mrd. EURO für den Ausbau der Strecken zur Verfügung
4. Ca. 7 Mrd. EURO geben der Bund und die Länder der Deutschen Bahn und den privaten Bahnen an Subventionen für „Verkehrsleistungen“.
Davon erhält die Deutsche Bahn ca. 1/3; als ca. 2,3 Mrd. EURO, also alles im allem wird die Deutsche Bahn jährlich mit ca. 6,5 Mrd. EURO subventioniert. Wenn man die vom Bund geforderte Summe von jährlich 500 Mio. EURO als Dividende oder als Kürzung der Subventionen verrechnet, kostet die Deutsche Bahn den Steuerzahler unter dem Strich immer noch ca. 6 Mrd. EURO pro Jahr. Zurzeit besteht der Anschein, dass dieses Geld zu einem großen Teil in teure Prestige-Projekte wie Stuttgart 21 oder technisch nicht ausgereifte Prestige-Züge fließt. Sinnvoll erscheint, dieses viele Geld ausschließlich für die Kernaufgaben der Bahn, zu der auch ganz dringend Lärmschutzmaßnahmen (durch Verbesserung der Schieneninfrastruktur und Investitionen in zeitgemäßes rollenden Gerät) gehört, auszugeben. Dies würde zu einer wahrnehmbaren Verbesserung führen. Eine sicher gut gemeinte, weitere Broschüre zum Thema Schienenlärm ist dagegen doch reine Makulatur.
Januar 16th, 2011 at 19:30
“Lärm ist eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit - Lärmschutz daher ein zentrales Thema von Bahn und Bund” - so nachzulesen auf der Homepage der DB. Gut formuliert, optisch schön aufbereitet.
Da fängt man schnell an zu träumen: Zum Beispiel von leiseren Zügen, einem dem Stand der heutigen Technik entsprechendem Gleisbett und weiteren effizienten Lärmschutzmaßnahmen wie dem Kippen des Schienenbonus, einem Nachtfahrverbot oder gar Geschwindigkeitsbeschränkungen für den lauten Güterverkehr.
Eine Hochglanzdruckbroschüre vom Bundesumweltamt, in der komprimiert noch einmal alles nachzulesen ist zum Thema Schienenlärm ist doch dann sicher sinnvoll, denkt man da - für einen Moment, bis zum Ende des Traums, dem bösen Erwachen nämlich.
Es passt doch wieder einmal alles. Bahn und Bund sind nämlich echte Schlaufüchse. Alles, was bereits im Internet veröffentlicht ist, muss für die Druckbroschüre nur noch ein bisschen zusammen gefasst werden, noch ein paar schöne Fotos dazu und fertig! Die Kosten dafür bleiben überschaubar, den Wähler freut es und was will man als Politiker denn mehr?
Die anstehenden Verbesserungsmaßnahmen umzusetzen und in die Infrastruktur zu investieren, was zu einer leiseren Bahn führen würde, wäre doch schließlich wesentlich kostenintensiver.
Außerdem stört eine solche Broschüre die generelle „Dividenden-Kreislaufwirtschaft“ sprich „Geldvernichtungsmaschinerie“ von Bund und Bahn auf keinen Fall. Die DB macht weiter Gewinn mit dem Geld vom Bund, den sie dann an den Bund als Dividende zahlt und der erfreut den Steuerzahler dann (für kleines Geld) mit einer netten „Augenwischer“-Druckbroschüre. Ist doch super ihm damit in den nächsten Jahren erhebliche Kosten einsparen zu können.
Schließlich ist es genau so fest in der auch sonst unseriösen Finanzplanung dieser Chaoten-Bundesregierung eingeplant. Damit das sinnleere Lautsprecher-Auslaufmodell Westerwelle weiterhin seine absurden Steuersenkungsparolen in die Welt hinaus posaunen kann.
Tja, so läuft es eben, es ist leider längst ausgeträumt. Die Folgen werden täglich sichtbarer. Das ist für uns alle ganz schön bitter.
Januar 17th, 2011 at 19:26
Eine Schienenlärmbroschüre – ich fasse es nicht! Was soll denn der Quatsch nun wieder? Es ist schon eine bodenlose Frechheit, was Bahn und die Politik nicht nur in dieser Hinsicht so mit einem abziehen.
Auch dem Dümmsten ist doch wohl klar, dass, wenn für 4.000 Millionen Euro eine Busgesellschaft in England gekauft wird, das Geld im eigenen Land fehlen wird, Züge mangels verfügbarem Geld still stehen, im Bereich des Schienennetzes und somit auch beim Lärmschutz – Broschüre hin oder her - nichts mehr investiert werden kann.
Und was soll des Steuerzahlers Geld eigentlich in England, im Bereich „wirtschaftlicher Aktivität“? Es war doch wohl eher für den Ausbau der eigenen Infrastruktur gedacht. Aber das Kasperle-Theater geht ja sogar noch weiter. Auf der einen Seite schiebt der Bund Unsummen zur Bahn und kassiert dann einen Teil wieder ab.
„Zum Wohl des Volkes“ - man könnte gerade meinen unsere Politiker sind zu nichts mehr in der Lage. Außer zu dem, was ihrem eigenen Wohl und ihrer eigenen Popularität dient. Das sollte in einer aufmerksamen Demokratie zum Bumerang werden, bleibt aber offensichtlich völlig ungestraft.
Schlimmer noch ist aber für jeden, der sich auch nur halbwegs mit der Materie beschäftigt, das aktionistisch übersteigerte Gehabe von Herrn Ramsauer. Angesichts der Fakten ist es zwischen Dumm- und Frechheit einzuordnen.
Wie unlängst und so oft: Am Tag vor den wichtigen Entscheidungen haut er medial auf die Pauke mit populistischen Äußerungen irgendwo rechts-außen, um in Bauernfänger- Manier Wahlkampf zu betreiben. Bei der entscheidenden Sitzung kneift er dann und schickt seinen bedauernswerten Staatssekretär Scheuerle vor. Abends dann wieder Ramsauers Bahnschelte Statements auf allen Kanälen. Genug Beleg dafür, dass dieser Bundesverkehrs(verhinderungs)-Minister unberechenbar ist. Und keiner sollte die Gefahren unterschätzen, die uns durch seine Aktionen – auch wahrscheinlich beim Thema Schienenlärm, z. Bsp. Bei der Forderung nach Abschaffung des Schienenbonus – noch drohen.
Januar 18th, 2011 at 08:23
Nach einer Untersuchung der Allianz Pro Schiene hat die Schweiz in den vergangenen Jahren € 284, Österreich € 205, Deutschland aber nur € 47 pro Kopf und Jahr ins Schienenetz gesteckt und dazu noch, seit der Bahnreforn 1994, jede zweite Weiche abgebaut, Überholgleise und Gleisansschlüsse massenhaft gekappt. Vom Lärmschutz brauchen wir gar nicht zu sprechen. Die Bahn hat das deutsche Streckennetz in den letzten Jahren nicht nur sehr vernachlässigt, sie ließ es verrotten. Mehdorn hat die Bahn für den Börsengang schönmachen wollen - und hat es beim Sparen einfach übertrieben.